Leckagen im Teakdeck

Es regnet. Unter Deck. Im Vorschiff. Auf die neuen Matratzen und die stolzen, schlafenden Neu-Eigner. Und so langsam wird uns klar, dass das viele Tape, Leak Hero und Silikon unter Deck zwar vollkommen wirkungslos gegen eindringendes Wasser waren, uns aber eine Warnung hätten sein können: Wir haben Leckagen im Teakdeck. Und rein zufällig Zeit, sie zu fixen, da wir noch immer im Hafen liegen.

Das mit dem Leak Hero ist übrigens kein Scherz. Leak Hero und darüber Tape haben wir an diversen Stellen unter Deck vorgefunden. Unter anderem in der Kühlbox. Man macht sich keine Vorstellung davon, was das für eine Sauerei ist

Ausgangslage

Dass wir mit dem Deck noch etwas Arbeit haben werden, war uns schon klar. Das Deck wurde Mitte der 90er Jahre erneuert, mit Leisten aus ca. 15mm starkem Teak. Heute sind davon noch etwa 12mm übrig, was reichlich ist. Neue Decks werden heute mit deutlich dünnerem Teak gebaut, was in der Anschaffung billiger ist, die Lebensdauer aber eben reduziert.

Unser Holz also ist bis auf wenige Stellen in Ordnung und wird uns noch viele Jahre Freude bereiten. Und einige Mühe beim Erhalt.

Der Decksaufbau ist bei einer Vindö 50 im Bugbereich ein Sandwich aus rund 20mm GFK mit Schaumkern, auf das das Teakdeck geklebt und geschraubt ist. Der Wassergang ist ebenfalls Holz auf GFK, allerdings ohne Sandwich, und die Stärke des GFKs kennen wir hier noch nicht genau.

Teak auf Sandwich-Laminat: der Decksaufbau im Bugbereich

Anders sieht es auf den Aufbauten aus: Hier haben wir es mit einer klassischen Holzbauweise zu tun.

Deckenkonstruktion einer Vindö 50: Holz auf Holz

Während das Holz also noch in Ordnung ist, sind die Fugen etwas in die Jahre gekommen. Einige Fugen lösten sich bereits vom Teak, die meisten aber waren augenscheinlich noch in Ordnung.

Wenn ein feuchtes Deck trocknet, sieht man die Baustellen

Bei den Holzproppen, mit denen die Schraubenlöcher im Teak verschlossen sind, sah es ähnlich aus: Einige waren undicht, die meisten aber noch in Ordnung.

Die meisten Proppen sind noch in Ordnung. Dieser nicht.

Unser Plan war, das Boot erst einmal ins Wasser zu bringen, damit das nach acht Jahren Hallenlager ausgetrocknete Holz wieder etwas Feuchtigkeit aufnehmen kann. Und damit wir es überhaupt erst einmal wieder ordentlich reinigen können. Dann wollten wir uns in der ersten Saison auf die wirklich wichtigen Baustellen konzentrieren und im Laufe der Zeit dann alle Fugen ersetzen.

Es tropft

Beim ersten kräftigen Regen tropfte es an mehreren Stellen. An der Decke im Salon, in der Toilette neben der Decksdurchführung für die Kabel - und eben im Vorschiff.

Am einfachsten war die Stelle im Salon: Hier lief das Wasser durch einen Riss in einer der Teakleisten. Nach zwei Tagen Regen quoll das Holz auf - und war wieder dicht. Den Riss werden wir trotzdem noch versorgen, man weiß ja nie …

Ein Riss in einer Teakleiste

Die Kabeldurchführung war schon etwas schwieriger. Die Kabel wurden durch eine Decksdurchführung geführt, die das eigentlich verhindern sollte. Leider war aber das Deck an der Stelle durch etliche Schraubenlöcher durchbohrt - und eines davon haben wir wohl übersehen.

Im Vorschiff war die Lage dann nicht so klar …

Kapillarwirkung

Die Decke im Vorschiff lag noch frei; die mit Stoff bespannten Paneele sind noch nicht montiert. Wir konnten also sehen, dass das Wasser gleich an mehreren Stellen durch die Decke kam:

  • Durch eine mit Spachtelmasse verschlossene Öffnung, in der früher einmal der Lüfter des Doradenkastens saß. Den Doradenkasten wollten wir ohnehin erneuern und einen neuen Lüfter einbauen, kein Problem also.
  • Dann gab es noch einige undichte Proppen im Deck, durch die möglicherweise Wasser eindringen konnte - auch keine Sache.
  • Die Fugen im Deck waren fällig. Sie mussten also erneuert werden, bevor der Doradenkasten wieder montiert werden konnte.
Die zugespachtelte alte Lüfteröffnung mit umliegendem Flickwerk

Nachdem wir alle diese Stellen versorgt hatten, freuten wir uns sozusagen auf den nächsten Regen - und der kam auch pünktlich am nächsten Tag.

Es regnete noch immer rein. In einem alten Bohrloch sammelte sich Wasser, tropfte uns ins Bett und raubte uns wie gehabt den Schlaf. Über dem Bohrloch saß allerdings mittlerweile der Doradenkasten - und dort war alles rappeltrocken. Im näheren Umkreis um das Bohrloch war wirklich nichts Offensichtliches zu finden, was die Ursache sein könnte - und das Bohrloch war an der höchsten Stelle des Vordecks unter dem “Fisch”, zu allen Seiten lief das Deck leicht ab.

Der neu montierte Doradenkasten auf dem Vorschiff

Gefunden haben wir die Ursache dann mit einem Teekessel: Wir haben nacheinander alle infrage kommenden Stellen mit einem Liter Wasser begossen und geschaut, wann es unter Deck wieder tropfte. Die undichte Stelle fand sich so an einer Fuge, die auf vielleicht zwei Zentimetern Länge nicht mehr richtig mit dem Teak verbunden war.

Wir hatten also ein klassisches Beispiel für Kapillarwirkung: Irgendwo sickerte Wasser durch das Deck, lief zwischen Teak und GFK-Sandwich entlang, tatsächlich sogar “bergauf”, bis es auf das alte Bohrloch traf - und tropfte dort nach unten. Die Eintrittsstelle kann dabei ein gutes Stück von der Tropfstelle entfernt liegen. Genau das macht die Lecksuche im Teakdeck so mühsam: Wo es tropft, muss es gar nicht undicht sein.

Die fünf Ursachen im Überblick

Insgesamt haben wir mittlerweile fünf Arten von Leckagen im Teakdeck identifiziert, die jeweils unterschiedlich behandelt werden müssen. Dieser Artikel ist der Auftakt einer kleinen Serie: Zu den einzelnen Reparaturen folgen nach und nach eigene Artikel mit allen Details.

Undichte Proppen

Am einfachsten zu beheben sind die Proppen, die im Laufe der Jahre undicht geworden sind: Abbrüche an den Kanten, Schrauben, die herausschauen, Proppen, die irgendwann mit einer undefinierbaren Spachtelmasse verschlossen wurden. Die Reparatur ist unkompliziert, man muss nur etwas Geduld mitbringen: alten Proppen herausprökeln, Schraube herausdrehen und tiefer setzen (unser Teak ist ja noch 10-12mm stark), neuen Proppen mit PU-Leim einsetzen und bündig schleifen. Das dauert eine Weile, aber die Arbeit hat etwas Meditatives an sich - und man hat schnell erste Erfolgserlebnisse.

Wenn die Schrauben herauskommen, muss man aktiv werden.

Die ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt es in Undichte Proppen ersetzen.

Undichte Fugen an den Übergängen zu den Aufbauten

Hier haben wir uns in den eigenen Fuß geschossen. Um eine ‘schöne’ Fuge zu bekommen, haben wir am Übergang zwischen Deck und den lackierten Mahagoni-Aufbauten die Fuge zu schmal angelegt. Die Beschreibung dazu findet sich in Nach dem Lack neue Fugen.

An einer Stelle führte das dazu, dass sich die ‘schöne’ Fuge auf etwa zwei Zentimeter Länge nicht ausreichend mit dem Teak verband, so dass bei starkem Regen etwas Wasser eindrang.

Die undichte Stelle in einer Nahaufnahme. Sehen Sie? Sie sehen nichts!

Der aktuelle Plan ist jetzt, die Fuge erst einmal punktuell mit Sika Aktivator zu behandeln und dann mit etwas mehr Fugenmasse nachzudichten. Der Aktivator soll bewirken, dass sich die neue Masse mit der alten Fugenmasse verbindet. Wenn das nicht hilft, müssen wir die Fuge aufschneiden und neu machen. Da die Aufbauten aber gerade eben frisch lackiert wurden, wäre das eine Art Super-GAU. Also Daumen drücken.

Sollten wir erfolgreich sein, wird die gesamte Fuge auf die gleiche Weise behandelt und vergrößert. Man weiß ja nie, ob es nicht auch an anderen Stellen Undichtigkeiten gibt, die man nur noch nicht gefunden hat.

Gerissene Teakleisten

An wenigen Stellen gibt es Risse im Teakdeck - durch einen davon lief das Wasser durch die Decke in den Salon (siehe oben). Wenn man sowieso alle Fugen neu zieht, könnte man die betroffenen Leisten auch gleich tauschen. Allerdings gibt es heute kaum noch die benötigte Qualität (Plantagenholz), und teuer ist das Holz obendrein. Dann noch der ökologische Aspekt: Wenn man Holz retten kann, sollte man das tun. Wir werden die Risse also versorgen, statt die Leisten zu tauschen - wie, das zeigen wir in einem eigenen Artikel.

Eine gerissene Teakleiste

Undichte Beschläge

Auch Beschläge, die aufs Deck geschraubt sind, werden mit den Jahren undicht - bei uns zum Beispiel die Decksdurchführung. Das Muster ist immer dasselbe: Beschlag demontieren, alte Dichtmasse entfernen und neu eindichten. Auch dazu folgt ein eigener Artikel.

An einer anderen Stelle gab es noch ein altes Decksauge, das mit nur zwei Schrauben montiert war. Zwei Löcher waren einfach offen gelassen worden und gingen in einen der Holzbalken unter Deck.

Ein altes Decksauge mit undichten Schraublöchern

Stellen dieser Art sind natürlich denkbar einfach zu beheben: das Decksauge demontieren, die Löcher mit neuen Proppen verschließen und alles ordentlich schleifen.

Das entfernte Decksauge. Die extra Teak-Proppen muss man dabei in Kauf nehmen.

Undichte Fugen im Teak

Der bei weitem aufwändigste Teil: Die Dichtmasse in den Fugen ist in die Jahre gekommen und spröde geworden, an etlichen Stellen löst sie sich von den Flanken der Teakleisten - die sogenannte Kantenablösung. Solche Fugen lassen sich nicht sinnvoll flicken, sie müssen erneuert werden: alte Masse mit Cuttermesser und Fugenhaken heraus, Fugenflanken schleifen und neu abfugen. Das wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Wie wir dabei Schritt für Schritt vorgehen und welches Werkzeug die Arbeit erträglich macht, zeigen wir in Undichte Fugen im Teak erneuern.

Kantenablösung: Die Fugenmasse löst sich auf gut 30cm vom Teak.
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