Die Holzböden aufarbeiten: Teppich runter, Hartwachsöl drauf
Nicht jede Baustelle im Refit ist eine böse Überraschung — manche sind das Gegenteil. Als wir uns die Fußböden im Schiff vornahmen, lag darauf noch der alte Bodenbelag: Teppichfliesen, ausgetreten, schmutzig und muffig. Nichts was man an Bord haben möchte. Was darunter zum Vorschein kam, hatten wir so nicht erwartet: solide Sperrholzböden, allem Anschein nach mit einem ordentlichen Eichenfurnier und mit gar nicht so vielen Schadstellen. Viel zu schade, um sie wieder unter Teppich zu verstecken.
Teppich runter
Der erste Schritt war der befriedigendste: Die Teppichfliesen ließen sich größtenteils einfach hochziehen und abreißen. Was zurückblieb, war weniger erfreulich — eine zähe, festgetrocknete Kleberschicht auf dem Furnier. Genau die kostet die eigentliche Arbeit.
Den alten Kleber entfernen
Der Kleber war zäh und klebrig und ließ sich weder einfach abziehen noch trocken abschaben. Was sehr gut funktioniert hat, war eine Kombination aus zwei Dingen:
- Heißluftföhn mit Spachtel: Wärmt man den Kleber Stück für Stück an, wird er weich und lässt sich mit dem Spachtel abheben. Wichtig ist, das Furnier nicht zu überhitzen — mit Abstand arbeiten und in Bewegung bleiben, sonst verfärbt sich das Holz schwarz.
- Reichlich Waschbenzin, um die letzten Reste und den schmierigen Film zu lösen. Waschbenzin löst den restlichen Kleber an, so dass man ihn mit Tüchern abwischen kann.
Beim Arbeiten mit Waschbenzin und Heißluft
Waschbenzin ist leicht entzündlich, und der Heißluftföhn liefert die Zündquelle gleich mit — beides zusammen also nur mit Bedacht und nie an derselben Stelle gleichzeitig. Für ordentlich Durchzug sorgen: In der engen Kabine reichern sich die Dämpfe sonst schnell an. Fenster und Luken auf, Pausen an der frischen Luft.
Das ist die mühsamste Etappe des ganzen Projekts. Man kommt nur langsam voran, und es lohnt sich, gründlich zu sein: Jeder Kleberrest, den man jetzt stehen lässt, setzt später das Schleifpapier zu und schimmert am Ende unter dem Öl durch.
Schleifen: erst 80er, dann 120er
Ist der Kleber weg, wird der Boden geschliffen. Wir sind in zwei Stufen vorgegangen:
- 80er Korn, um die letzten Kleberreste, Flecken und Unebenheiten herunterzuholen und eine gleichmäßige Fläche herzustellen.
- 120er Korn, um die gröberen Schleifspuren wieder zu glätten und die Oberfläche für das Öl vorzubereiten.
Beim Furnier ist Vorsicht geboten: Die aufgeleimte Deckschicht ist dünn, und wer mit grobem Korn oder zu viel Druck an einer Stelle bleibt, schleift sie schnell durch — dann kommt das Trägersperrholz zum Vorschein, und das lässt sich nicht mehr reparieren. Also lieber flächig und geduldig arbeiten und den Kantenbereich besonders behutsam behandeln.
Versiegeln mit Hartwachsöl
Für die Oberfläche haben wir uns für ein Hartwachsöl entschieden: Oli-Natura HS Hartwachsöl. Anders als ein filmbildender Lack zieht ein Hartwachsöl ins Holz ein und lässt die Oberfläche natürlich und offenporig wirken. Für uns hatte das zwei Vorteile: Das Eichenfurnier behält seine matte, warme Anmutung, und eventuelle spätere Kratzer lassen sich partiell nachölen, ohne die ganze Fläche neu beschichten zu müssen.
Aufgetragen haben wir in mehreren dünnen Schichten. Das Öl wird dabei mit einem Tuch oder Pad sorgfältig ins Holz einmassiert, damit es gleichmäßig einzieht und die Poren wirklich erreicht. Wichtig ist, dünn zu arbeiten und den Überschuss, der nicht einzieht, nach der Einwirkzeit wieder abzunehmen — sonst bleibt er klebrig auf der Oberfläche stehen. Zwischen den Schichten die vom Hersteller angegebene Trockenzeit einhalten; die genauen Werte, Verbrauchsmengen und Hinweise stehen im technischen Datenblatt, in das man vor dem ersten Auftrag ohnehin schauen sollte.
Achtung: ölgetränkte Tücher können sich selbst entzünden
Das klingt nach Panikmache, ist aber real — und der Hersteller warnt ausdrücklich davor. Hartwachsöl härtet aus, indem es Luftsauerstoff aufnimmt, und dabei entsteht Wärme. Ein frei liegendes Tuch gibt diese Wärme ab. Ein zusammengeknüllter, öliger Lappen kann sie dagegen nicht loswerden: Die Wärme staut sich, treibt die Oxidation weiter an, und im ungünstigsten Fall fängt der Lappen von selbst an zu schwelen. Das Öl im Gebinde ist ungefährlich — die Gefahr steckt allein im getränkten Tuch (und in ölhaltigem Schleifstaub). Benutzte Lappen deshalb nie einfach zusammengeknüllt in den Eimer werfen, sondern mit Wasser durchnässen und einzeln ausgebreitet im Freien trocknen lassen oder luftdicht in einem Metallbehälter entsorgen.
Fazit
Von allen Arbeiten im Refit war das hier eine der dankbarsten: aus einem muffigen Teppichboden wird mit überschaubarem Materialeinsatz ein richtig schöner Holzfußboden. Der Aufwand steckt fast komplett im Kleberentfernen — hat man das hinter sich, sind Schleifen und Ölen fast schon Erholung. Wer bei sich unter einem alten Belag Sperrholz oder Furnier vermutet, sollte den Blick darunter riskieren. Es kann sich lohnen.
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