Undichte Fugen am Aufbau nachdichten

Von den fünf Arten von Leckagen in unserem Teakdeck war diese hier die unangenehmste - nicht wegen des Aufwands, sondern wegen der Folgen: Die undichte Stelle sitzt im Vorschiff, in der Fuge am Übergang vom Deck zu den Aufbauten. Durch die Kapillarwirkung zog das Wasser durch das Holz und über ein altes Bohrloch etwa 30cm weiter bis in das Vorschiff und auf unsere Decken und Matratzen.

Die Fuge haben wir im Winter gerade erst erneuert - und dabei haben wir uns selbst ein Bein gestellt: Um eine besonders unauffällige, schmale Linie zu bekommen, haben wir die Fuge zu knapp bemessen. Auf etwa zwei Zentimetern Länge hat sie sich daraufhin nicht ausreichend mit dem Teak verbunden.

Die undichte Stelle in einer Nahaufnahme. Sehen Sie? Sie sehen nichts!

Mit dem Auge war da nichts zu erkennen; gefunden haben wir die Stelle mit dem Teekessel. Und dann standen wir vor der Frage, was man mit zwei Zentimetern Fuge direkt neben frischem Lack eigentlich anfängt.

Herausschneiden oder nachdichten?

Zwei Varianten standen zur Wahl.

Die (über-)gründliche Lösung wäre gewesen, die Fuge auf ganzer Länge herauszuschneiden und neu aufzubauen - so, wie wir es auf dem Deck sowieso ständig machen. Nur ist das am Aufbau eben etwas anderes als mitten im Teak: Der Cutter läuft direkt an der Lackkante entlang, geschliffen werden kann dort gar nichts, und ein Ausrutscher kostet nicht eine Schramme in einer Teakleiste, sondern in einer Lackfläche, an der wir gerade erst etliche Wochen lang gearbeitet haben. Alles in allem keine sonderlich verlockende Lösung für zwei Zentimeter Leckage.

Die zweite Variante: die alte Fuge stehen lassen und “irgendwie” punktuell nachdichten - aber geht das überhaupt? Zumindest wollten wir es erst einmal versuchen, bevor wir die große Lösung in Angriff nehmen. Die Idee: die neue Masse etwas breiter über die alte legen und dabei hoffentlich für einen wasserfesten Abschluss sorgen. Deutlich weniger Arbeit, deutlich schonender für den Lack.

Die große Lösung bleibt uns ja erhalten, insofern gehen wir dabei kein Risiko ein. Wenn die Flickschusterei nicht hält oder uns am Ende schlicht nicht gefällt, können wir die Fuge immer noch komplett herausnehmen.

Hält neue Masse auf alter?

Der Haken an der Sache: Man kann Fugenmasse nicht unbedingt einfach auf eine alte Fuge auftragen und hoffen, dass sie haftet. Auf ausgehärtetem Sikaflex haftet frisches Sikaflex von sich aus nicht zuverlässig - aber dafür gibt es den Sika Aktivator-205 (früher „Haftreiniger 205”). Er reinigt die Oberfläche und macht sie gleichzeitig anbindefähig - so das Versprechen von Sika.

Im Artikel über das Erneuern der Fugen kommt der Aktivator schon einmal vor - dort allerdings nur punktuell an der Stoßstelle, wo eine frisch gezogene Fuge auf eine alte trifft. Hier ist es umgekehrt: Die alte Fuge ist nicht der Nachbar, sondern der Untergrund, auf ganzer Länge.

Damit das funktioniert, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:

  • Die alte Masse muss zur neuen passen. Bei uns ist das der Fall, denn die Fuge am Aufbau haben wir gerade erst selbst mit Sika 290 DC Pro gezogen. Wer nicht weiß, was dort früher verarbeitet wurde, muss ausprobieren, ob es funktioniert.
  • Die alte Masse muss noch fest am Holz sitzen. Eine alte, bereits poröse Fuge, die sich ohnehin schon großflächig ablöst, wird durch eine zweite Schicht obendrauf nicht besser - die muss raus.
Hier ist die Fugenmasse beim Neuverfugen versackt, was wir erst am nächsten Morgen gesehen haben (vor dem Schleifen). Auch hier konnten wir mit Aktivator und einem neuen Tropfen Sika die Fuge nachdichten.

Uralte Fugen nachziehen ist also nicht unser Thema - das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht lange halten. Aber wenn man beim Neuverfugen einen kleinen Fehler gemacht, die Fugenmasse irgendwo versickert ist oder - wie bei uns - einfach eine Kante nicht ordentlich abgedichtet ist, kann man es wie hier beschrieben probieren.

Schritt für Schritt

Markieren und trocknen lassen

Nach der Lecksuche mit dem Teekessel haben wir die Stelle direkt markiert - zwei Zentimeter Fuge findet man sonst am nächsten Tag nicht wieder. Dann heißt es warten: Das Wasser aus der Lecksuche steckt noch im Deck und unter der Fuge, und auf feuchtem Holz haftet nichts. Wir haben dem Deck zwei sonnige Tage gegeben.

Reinigen

Die Fuge und das Teak rechts und links davon werden gründlich entfettet, bei uns mit Pantasol; Aceton geht zur Not auch. Teak ist von Natur aus ölig, und muss daher vorab behandelt werden.

Abkleben - großzügiger als die alte Fuge

Jetzt wird abgeklebt, und zwar bewusst etwas breiter als die alte Fuge: Die neue Masse soll ja links und rechts über die alte hinausgehen und dort auf sauberem Teak beziehungsweise am Lack anbinden. Genau die zusätzliche Breite ist der eigentliche Reparaturgedanke - die zu schmal geratene Fuge von damals wird nachträglich breiter.

Beidseitig abgeklebt, mit etwas Luft zur alten Fuge: Die neue Masse darf ruhig breiter werden als die alte

Wie beim Abkleben nach der Lackierung gilt: Mit etwas Abstand betrachtet sieht man jeden Millimeter Abweichung. Die Bandkante ist die spätere Fugenkante, hier lohnt sich Geduld. Das dünne Metall-Lineal, mit dem wir im Winter die strakende Linie gefunden haben, hat auch diesmal gute Dienste geleistet.

Aktivator auftragen

Der Aktivator kommt nicht aus der Flasche auf die Fuge, sondern auf einen fusselfreien Lappen, und mit dem wird die alte Fuge abgerieben. Wichtig: sparsam. Zu nass aufgetragen bleibt ein Film stehen, und die neue Masse haftet schlechter statt besser.

Neue Fuge ziehen - als Hohlkehle

Dann die neue Masse einpressen, satt und ohne Lufteinschlüsse. Was hier anders läuft als auf dem Deck: Die Fuge wird nicht plan abgezogen und später glattgeschliffen - schleifen können wir am lackierten Aufbau ja gerade nicht. Stattdessen bekommt sie eine Hohlkehle, also eine leicht konkave, saubere Rundung von der Deckskante zum Aufbau hinauf.

Die neue Masse wird satt in die abgeklebte Fuge eingepresst - bewusst breiter als die alte Fuge darunter

Geformt haben wir sie zunächst mit dem behandschuhten Finger und einem Hauch WD-40 als Gleitmittel: Ein Spritzer auf den Handschuh, dann in einem Zug durch die Fuge ziehen. Ohne Gleitmittel zieht der Finger die Masse mehr, als dass er sie formt.

Später sind wir dann auf ein Silikon-Glättwerkzeug umgestiegen, das die Hohlkehle über längere Strecken sauberer und gleichmäßiger formt.

In einem Zug durch die Fuge: So entsteht die saubere, leicht konkave Hohlkehle

Zum Gleitmittel: WD-40 hat bei uns gut funktioniert, ist aber nicht unumstritten - üblich ist auch Seifenwasser oder ein spezielles Glättmittel. Egal was man nimmt: Es gehört ausschließlich außen auf die schon liegende Masse, niemals in die Fuge oder an die Haftflächen. Und großzügig ist hier nicht besser.

Überschüssige Masse nehmen wir vorsichtig mit dem Spachtel weg und arbeiten die Kehle bei Bedarf noch einmal mit Finger und Gleitmittel nach.

Der Spachtel, mit dem überschüssige Masse abgenommen wird - hier schon mit Spuren der schwarzen Fuge

Band sofort abziehen

Das Abklebeband kommt direkt nach dem Glätten ab, nicht erst später. Wartet man, bis die Masse anzieht und eine Haut bildet, reißt die Kante beim Abziehen unsauber ein. Dabei flach und langsam abziehen - zu hastig, und man holt die frische Masse gleich wieder mit heraus.

Aushärten und nachschneiden

Dann heißt es 24 Stunden Ruhe geben. Ist die Masse durchgehärtet, lassen sich einzelne Stellen mit einem scharfen Cuttermesser noch in Form schneiden - eine Nase hier, ein zu breiter Auslauf dort. Das ist die einzige „Nachbearbeitung”, die es am Lack gibt, und mehr braucht es zum Glück auch nicht.

Sollte aus Versehen etwas Fugenmasse (die zieht gerne Fäden) auf den Lack geraten, sollte man diese übrigens nicht verreiben: nach dem aushärten lässt sich sich leicht vom Lack abziehen.

Und, hält es?

Wir haben die Daumen gedrückt und auf den nächsten Regen gewartet - lange muss man an der Ostsee ja nicht warten. Unter Deck blieb alles trocken. Auch nach den kräftigeren Schauern seitdem ist die Stelle dicht geblieben.

Die fertige Stelle nach dem Aushärten: eine saubere Kehle zwischen Teakdeck und frischem Lack

Fazit

Mittlerweile haben wir die komplette Fuge am Aufbau auf ganzer Länge mit Aktivator und neuer Masse nachgedichtet und konnten bisher keine weiteren Leckagen feststellen. Geregnet hat es seitdem auch schon ordentlich, die Frage bleibt daher nur, wie lange diese Reparatur hält. Wir werden es sehen.

Von den fünf Arten von Leckagen sind damit die Proppen, die Deckfugen und die Fuge am Aufbau vorerst versorgt. Es fehlen noch die gerissenen Teakleisten und die undichten Beschläge; beides kommt in den nächsten Teilen dieser Serie.

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