Undichte Proppen ersetzen

Von den fünf Arten von Leckagen in unserem Teakdeck sind die undichten Proppen am einfachsten zu beheben. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick, denn wer hier schlampt, hat das Wasser beim nächsten Regen wieder unter Deck.

Woran erkennt man undichte Proppen?

Abbrüche an den Kanten, Schrauben, die herausschauen, Proppen, die irgendwann einmal mit einer undefinierbaren Spachtelmasse verschlossen wurden - bei einem Deck aus den 90ern kommt einiges zusammen.

Nach einem Regenguss ist es leicht zu erkennen, welche Proppen tatsächlich schon undicht sind: An den undichten Stellen (Fugen wie Proppen) braucht das Deck etwas länger zum Abtrocknen, weil das Wasser in den Fugen und Rissen steht. Wer darauf achtet, erkennt die dunklen Stellen im Teakdeck, die noch feucht sind, während der Rest schon wieder trocken ist.

Eindeutiger Fall: Wenn die Schraube schon herauskommt, ist der Proppen fällig

Bevor ich nun aktiv werde, stelle ich mir noch einmal die Frage, ob tatsächlich etwas getan werden muss. “If it ain’t broke, don’t fix it” gilt auch hier: Wenn die Proppen noch dicht sind, ist es besser, sie in Ruhe zu lassen. Wer sich unsicher ist, wartet den nächsten Regenguss ab und schaut, ob die Proppen tatsächlich undicht sind. Und keine Panik: Teakholz rottet nicht sofort weg, nur weil ein Proppen undicht ist. Die Trägerplatte darunter wird allerdings irgendwann anfangen zu faulen, wenn das Wasser dauerhaft unter Deck steht.

Mit der Zeit werde ich wohl ein besseres Gefühl dafür bekommen, wo ich aktiv werden muss. Von den ersten 20 Proppen, die ich ersetzt habe, waren vielleicht 5 tatsächlich undicht. Die anderen sahen zwar nicht perfekt aus, waren aber anscheinend noch unproblematisch. Ich werde daher in Zukunft versuchen, etwas gelassener an die Sache heranzugehen.

Werkzeug und Material

Womit wir arbeiten — Werkzeug, Material und die Bezugsquellen — steht gebündelt in der Materialliste.

Schritt für Schritt

Alten Proppen herausprökeln

Ich schlage einen feinen Schlitz-Schraubendreher in Faserrichtung mit dem Hammer vorsichtig in den Proppen und drehe dann den Schraubendreher. Stück für Stück bekomme ich damit das Holz herausgehebelt. Das dauert ein wenig.

Wichtig ist, dass das Loch nicht beschädigt wird, damit der neue Proppen wieder sauber eingesetzt werden kann. Beschädigte Kanten können dazu führen, dass der neue Proppen nicht mehr dicht ist.

Sind die ersten Millimeter herausgehebelt, versuche ich es auch mit dem 10mm Stechbeitel: senkrecht in das Bohrloch, mit etwas Druck drehen und die Reste vom Boden des Lochs dabei abkratzen. Gerade wenn der alte Proppen mit z.B. Epoxy oder PU-Leim verschlossen wurde, ist das Herausprökeln mit dem Schraubendreher oft mühsam.

Schraube herausdrehen

Wenn der Schraubenkopf frei liegt, überlege ich, ob die Schraube tiefer gesetzt werden soll. Bisher hatten wir noch keinen Fall, bei dem die Schrauben korrodiert waren. Sollte es doch einmal vorkommen, würde ich sie ersetzen.

Tiefer setzen muss ich sie, wenn das Loch für den neuen Proppen zu flach ist. Je schärfer die Kante des Lochs, desto weniger Tiefe braucht der Proppen.

Eine neue Stabdeckschraube im Bohrloch

Will ich die Schraube entfernen, drehe ich sie vorsichtig heraus. Wenn ich beim Ausräumen des Lochs nicht sorgfältig genug gearbeitet habe, kann es passieren, dass das Schraubengewinde im Loch durchdreht und die Schraube nicht herauskommt. Ich habe mir dann mit einem Cuttermesser beholfen: Die Schneide ist sehr dünn und lässt sich vorsichtig unter den Schraubenkopf schieben. Dann das Messer gut festhalten und die Schneide als Hebel benutzen. Die Schraube vorsichtig herausdrehen und dabei mit der Klinge leicht anheben. Unweigerlich verletze ich dabei aber die Kante des Lochs - also besser vermeiden und vorher sorgfältig alle Leimreste entfernen.

Loch tiefer setzen

Unser Deck wurde Mitte der 90er mit etwa 15mm starkem Teak neu aufgebaut; heute sind davon noch 10-12mm übrig. Genug Fleisch also, um die Schraube tiefer zu setzen und dem neuen Proppen ausreichend Höhe zu geben. Das gilt allerdings nicht überall: An einer Stelle habe ich mich dabei verschätzt und die Schraube durch die Decke gedreht.

In meinem Notfallkoffer für das Teakdeck habe ich Stabdeckschrauben, Proppen und einen 10er Forstnerbohrer

Um das Loch tiefer zu setzen, habe ich einen Forstnerbohrer mit 10mm Durchmesser verwendet und eine V4A Stabdeckschraube eingesetzt: Die haben einen recht flachen, geraden Kopf und sind in 16 und 19mm Länge zu bekommen. Wenn nicht mehr so viel Fleisch übrig war, habe ich stattdessen einen Senker und eine möglichst kurze V4A Senkkopfschraube verwendet. Wenn es gar nicht anders geht, verzichte ich auch schon mal auf eine Schraube und setze den Proppen nur mit PU-Leim ein. Am Ende einer Leiste lasse ich das aber besser bleiben - gelegentlich ist es dennoch das geringere Übel.

Schraube dichten

Beim Einsetzen der neuen Schraube - ob Senkkopf oder Stabdeckschraube - dichte ich die Schraube mit etwas Pantera Dichtmasse (z.B. Pantera 3000/60) ab. Dazu gebe ich etwas Dichtmasse auf eine Pappe o.ä. und tauche das Schraubengewinde etwas ein. Stabdeckfugenmasse (Sika) wäre vielleicht besser, eine angebrochene Kartusche lässt sich allerdings nicht mehr lange verwenden. Das Abdichten ist hoffentlich gar nicht erforderlich, weil ja der Proppen die Schraube vor Feuchtigkeit schützen sollte - aber schaden kann es auch nicht.

Neuen Proppen einsetzen

Den neuen Proppen setze ich mit etwas Leim ein. Anders als in den Bildern bin ich mittlerweile auf PU-Leim (z.B. Soudal Pro 45P) anstelle des hier verwendeten wasserfesten Bindan Holzleims umgestiegen. PU-Leim quillt auf, füllt den Spalt zwischen Proppen und Lochrand besser aus, dichtet ihn damit auch besser ab und ist ebenfalls wasserfest.

Manche verwenden anstelle des PU-Leims auch Epoxy. So gerne ich an anderen Stellen auch mit Epoxy arbeite, hier würde ich es persönlich nicht verwenden, wenn mit dem Proppen eine Schraube abgedichtet werden soll, denn:

  • Epoxy ist unflexibel und könnte sich bei wechselnden Temperaturen oder wechselnden Belastungen vom Teak lösen. Es gibt auch flexiblere Epoxy-Varianten wie zum Beispiel G/flex, mit denen sich das Problem umgehen ließe. Aber ich habe es bisher nicht ausprobiert.
  • Vor allem aber denke ich bei solchen Arbeiten auch an die Zukunft. Irgendwann werde ich den Proppen vielleicht ein weiteres Mal ersetzen müssen.

Ich habe einfach Bedenken, dass das mit Epoxy deutlich schwieriger wird als mit PU-Leim - aber ich mag mich auch irren. Wer es ausprobiert, kann mir gerne berichten!

Bündig abarbeiten

Nachdem der Leim ausgehärtet ist, schlage ich den Proppen mit dem Stechbeitel vorsichtig ab. Ich lasse dabei etwa 2mm stehen, nachdem mir beim Versuch, bündig abzuschlagen, schon mehrfach ein Stück Proppen herausgebrochen ist und ich von vorne beginnen musste.

Den Rest des Proppens schleife ich dann z.B. mit dem Schwingschleifer und 80er Papier bündig ab. Danach glätte ich die Oberfläche mit 120er Papier. Per Hand geht das natürlich auch, dauert dann aber deutlich länger.

Der neue Proppen sitzt und ist bündig geschliffen

Die Schleifspuren bleiben noch eine Weile sichtbar. Nach einigen Wochen in Sonne und Regen wird die Stelle aber die gleiche Farbe haben wie der Rest des Decks. Das Deck regelmäßig mit Salzwasser zu spülen, hilft dabei und ist sowieso eine gute Idee.

Was tun, wenn …?

Manche Bohrlöcher sind so stark beschädigt, dass sie sich nicht mehr einfach mit einem Proppen abdichten lassen. Die einfachste Variante ist dann, das Loch mit einem etwas größeren Forstnerbohrer zu erweitern und dann mit einem größeren Proppen zu verschließen. Bei Toplicht gibt es fertige Proppen bis 25mm, bei SVB immerhin bis 15mm Durchmesser, was für die meisten Fälle reichen sollte. In einer Reihe mit lauter 10er Proppen ist das zwar nicht perfekt, aber wirklich auffällig ist es nicht.

Größere Ausrisse ließen sich mit einer Mischung aus G/flex Epoxy und Teakspänen auffüllen, aushärten lassen und dann wieder mit einem 10er Bohrer neu aufbohren.

Beschädigte bzw. ausgerissene Bohrlöcher einfach zu verspachteln, hat sich auf unserem Boot nicht bewährt. Praktisch alle Stellen, wo das versucht wurde, sehen heute sehr fragwürdig aus. Das kann natürlich auch an der Qualität der Spachtelmasse liegen. Möglicherweise ließe es sich mit z.B. G/flex Epoxy und Teakspänen besser machen, oder mit einer Mischung aus braunem und weißem Pantera 3000/60, um die Farbe besser anzugleichen. Ich habe es bisher nicht ausprobiert, wäre aber sehr interessiert, ob jemand damit (oder mit anderen Mitteln) gute Erfahrungen gemacht hat.

Fazit

Die ersten rund 20 Proppen sind ersetzt, ein paar Kandidaten stehen noch auf der Liste - nach jedem Regen sieht man ja, ob sich neue melden. Viel Werkzeug braucht es nicht, vor allem Geduld: Kein einzelner Schritt ist schwierig, und jeder bündig geschliffene Proppen ist ein kleines Erfolgserlebnis. Von den fünf Arten von Leckagen in unserem Teakdeck war das die dankbarste Baustelle - die Fugen werden uns deutlich länger beschäftigen. Wie wir die angehen, zeigen wir in einem der nächsten Teile dieser Serie.

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