Neue Instrumente
Als wir das Boot 2025 übernahmen, waren die Instrumente bereits ziemlich alt und nicht gerade professionell verbaut. So konnte es auf keinen Fall bleiben.
Es handelte sich um Nasa-Clipper Instrumente, die wohl eher in die „Budget-Kategorie“ fallen, was aber ja ok ist, wenn sie denn nur funktionieren. Das war aber leider nicht der Fall: Der alte Log-Geber steckte noch mit abgebrochenen Rädchen in seinem Borddurchlass, der war mit einer ominösen Dichtungsmasse zugeschmiert, die obendrein wohl noch nie wirklich dicht war. Wir haben den Geber dann gezogen und die Öffnung vernünftig verschlossen – mehr dazu unter Borddurchlässe verschließen.
Die übrigen Instrumente konnten wir erstmal gar nicht beurteilen, weil wir noch keine funktionierende Stromversorgung hatten - und ehrlich gesagt noch nicht durchstiegen, was an Bord wie verkabelt war. Insgesamt sahen wir aber einfach nichts, mit dem wir uns außerhalb bekannter Gewässer wirklich wohl gefühlt hätten.
Der Windmesser war beispielsweise ein drahtloses Modell von Nasa. Ich habe keine eigenen Erfahrungen mit drahtlosen Gebern - habe aber auch bisher nur fragwürdiges darüber gelesen (immer her mit dem Widerspruch!). Die Installation am Schaltpanel vorbei, mit einem Baumarktschalter und unschöner Kabelführung - das hätte man fixen können.
Wie dem auch sei: Wir entschieden uns für die radikale Lösung: Geber und Instrumente neu, bei der Gelegenheit modernisieren und alle Kabel ersetzen und aufs Panel führen. Kleiner Spoiler: Entweder das Instrument oder der Geber war tatsächlich defekt, wie ich später beim Versuch, ihn zu verkaufen, feststellen musste. Ob das zweite Echolot, das wir später noch unter dem Sitz am Navigationstisch fanden, funktionierte, weiß ich nicht - das haben wir gar nicht mehr ausprobiert.
Raymarine i50/i60 Serie
Kurz gesagt: Eine Recherche stand an, welche Instrumente für uns und die Auguste die richtigen sein könnten. Von der Lille Svea kannte ich die i50/i60 Serie von Raymarine, mit der ich im Grunde genommen sehr zufrieden war: Sie sind zuverlässig, hervorragend ablesbar, benötigen wenig Strom und sind nach wie vor verfügbar.
Man kann sie auch in ein NMEA- bzw. SeaTalk-Netzwerk einbinden, was für mich eine der wenigen Bedingungen war. Einziges Manko: die Serie ist etwas „end of life“, und wir machen das Refit ja auch, um das Boot für die nächsten zehn und mehr Jahre auf Stand zu bringen.
Raymarine i70 Serie
Entschieden haben wir uns dann für die aktuellere i70 Serie, die preislich sehr ähnlich, aber eben einiges moderner ist. Die analogen Geber werden in diesem System über die „iTC-5“ genannte Komponente angeschlossen, die dann wiederum über SeaTalk in das Netzwerk eingebunden wird. Die Instrumente sind – anders als bei i50/i60 – keine dedizierten Windmesser oder Logge/Lot, sondern kombinierte Multifunktionsdisplays (MFD), die je nach Bedarf und Geschmack konfiguriert werden können.
Die Verkabelung war dabei wirklich simpel – nur bei der iTC-5 hat Raymarine in meinen Augen einen Bock geschossen. Das Kabel des kombinierten Logge/Lot/Temperatur-Gebers lässt sich nicht einfach in der Box anschließen: Man muss zuerst das Kabel weiter abisolieren und die furchtbar dünnen, figelinschen Adern dann neu vercrimpen – was echt nicht mein Hobby ist und obendrein eigentlich vollkommen unnötig wäre, wenn das Set besser aufeinander abgestimmt wäre. Aber irgendwas ist ja immer. Der Rest war wirklich simpel: blaue Stecker in blaue Buchse, weiß auf weiß – das ist fast schon idiotensicher und ausgezeichnet zu erweitern.
Die beiliegenden Kabel waren für meine Bedürfnisse (bzw. die der Auguste) ausreichend lang und zahlreich. Das war auch gut so, denn pro Verbinder oder Kabel ist man um die 50 € los, was wirklich ein unverschämter Preis ist. Finde ich. Ein komplettes „Backbone Kit“ mit ein paar Kabeln, Endwiderständen und Verbindern: 300 €. Für ein paar Kabel & Gedöns.
Ich prangere das an.
Das Kabel vom Windmesser durch den Mast zu ziehen, war übrigens wider erwarten absolut simpel. Wir haben dafür die drei Muttern, mit denen der Mastfuß gesichert war, gelöst und den Fuß abgenommen. Mit einem alten Kabel konnten wir dann das neue verbinden und es ganz einfach durchholen.
Was die i70 besser machen
Zwei Dinge gefallen mir an den neuen Instrumenten besonders gut – beides Punkte, an denen die i50/i60 Instrumente schlicht nicht mithalten konnten - geschweige denn die alten Nasa-Clipper.
Erstens die Kalibrierung der Logge. Bei der i70 bekomme ich beim Kalibrieren eine ganze Tabelle: Pro gemessener Geschwindigkeit kann ich einen eigenen Stützpunkt hinterlegen. Bei den alten Instrumenten gab es dafür nur einen einzigen Korrekturwert – mit dem Ergebnis, dass die Anzeige je nach Geschwindigkeit mal mehr, mal weniger danebenlag. Das läuft unter Menü > Setup > Gebereinstellungen > Geschwindigkeit > Geschw.-Kalibrierung: Man fährt eine bekannte Geschwindigkeit, die die i70 als SOG vom GPS aus dem SeaTalk-Netz bezieht, und legt dazu einen Kalibrierpunkt an („Add“) – beliebig viele über den ganzen Geschwindigkeitsbereich. Oder man bearbeitet die Punkte manuell, so haben wir das mangels GPS im Netzwerk gemacht. Ein GPS im Netzwerk kommt noch.
Zweitens die freie Konfiguration der Anzeigen. Ich kann mir eigene Favoritenseiten anlegen – bis zu zehn Stück, aus sechzehn verschiedenen Layouts –, jede mit ihrer eigenen Aufteilung. Und zwar nicht nur das übliche Schema „links eine große, rechts zwei kleine Anzeigen“, sondern wirklich frei nach Bedarf, mit Digital-, Analog- oder Grafikfeldern. Bearbeitet wird das über Menü > Favoritenseiten – Feld antippen, Datentyp zuweisen, fertig. Wer es genau wissen will: In der Bedienungsanleitung der i70 ist das alles sauber dokumentiert.
Dinge dieser Art wecken leider das Spielkind in mir - und so überlege ich schon, welche Daten mir noch fehlen könnten. Dabei ist der Segler ‘Guido’ schon mehr als zufrieden mit der aktuellen Konfiguration. Mehr brauche ich eigentlich nicht. Eigentlich ist ja auch nur das Echolot wirklich wichtig, alles andere ist Gedöns.
Warum das Netzwerk wichtig war
Dass alles über SeaTalk NG (also im Wesentlichen NMEA 2000) zusammenhängt, ist genau genommen auch nicht mehr als Bequemlichkeit. Über den NMEA-Bus lassen sich die Daten beispielsweise in der Orca App oder in andere Plotter und Apps einbinden. In unserem Heimatrevier Flensburger Förde und rund um die Dänische Südsee ist uns das nicht so wichtig. Hier kennen wir uns sehr gut aus. Aber erstens ist es wirklich sehr praktisch, und zweitens gibt es auch hier eklige Wetterkonstellationen und dann wollen wir in Zukunft doch auch mal größere Törns machen. Über den Kanal beispielsweise. Dann ist es gut, wenn Wind, Logge und Lot nicht nur am eigenen Display, sondern überall an Bord verfügbar sind - und wenn man einen ordentlichen Kartenplotter hat.
Dass die Papier-Seekarten bei uns an Bord nach wie vor eine wichtige Rolle spielen, wird jetzt wohl niemanden mehr überraschen. Ich bin da gar nicht religiös - aber mindestens für die Törnplanung gibt es in meinen Augen an Bord einer Segelyacht nichts Besseres als die gute alte Papierkarte. Und auch für die Navigation unterwegs ist sie eine tolle Ergänzung zum Plotter. Aber ein Kartenplotter ist eben auch eine tolle Ergänzung zur Papierkarte.
Irgendwann folgt dann auch mal mehr: Radar, im Nebel vor der englischen Küste (oder sonst wo) möchte ich nicht drauf verzichten. AIS, das ist mir allerdings weniger wichtig (Radar lagged nicht…). Und irgendwann wird auch der alte Autopilot, ein Raymarine ST6000, durch ein modernes Modell ersetzt werden. Sobald unser Konto sich wieder erholt hat und längere Nachtfahrten auf dem Programm stehen. Bis dahin bekommt mich niemand weg vom Ruder … Ich liebe es, dort zu stehen.
Vorher – Nachher
Für’s erste sind wir sehr zufrieden. Orca & Navionics auf Handy und iPad sind ganz prima für unsere Zwecke. Die Displays erfüllen ihren Zweck und sind sehr viel komfortabler zu bedienen, als alles, was ich bisher hatte. Die Verkabelung ist ordentlich, die wenigen sichtbaren Kabel verschwinden demnächst noch hinter Kabelkanälen von Sommerfeld & Thiele. Toller Laden übrigens.
Was mich am Ende so richtig freut, ist der krasse Unterschied vorher / nachher: oben die alten Nasa-Clipper auf der mahagonifarbenen Tünche, sauber mit Tape eingefrickelt – unten die neuen Raymarine i70 auf dem abgezogenen und neu lackierten Mahagoni nach dem Neuaufbau des Lacks.
Die Einbauposition hätte ich gerne noch anders gewählt - aber hier im Schott waren nun einmal die beiden alten Instrumente verbaut. Neue Löcher ohne Not in 50 Jahre altem massivem Mahagoni - das hätte mir körperliche Schmerzen bereitet.
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