Unter Deck

Wer zum ersten Mal an Bord einer Vindö 50 klettert, sollte sich rückwärts den Niedergang hinunterlassen. Der ist hoch und steil — eine einzige Stufe, mehr Leiter als Treppe. Irgendwann werde ich das mal überarbeiten. Altersgerecht, könnte man langsam sagen.

Blick vom Niedergang

Unten angekommen steht man im Gang, links die Navigationsecke, rechts die Pantry, und geradeaus der Blick in den Salon. Es ist dieser Moment, der die Auguste von den allermeisten modernen Booten unterscheidet: Man schaut nicht in eine zweckmäßige aber wenig heimelige “Zahnarztpraxis” mit viel Kunststoff und ein paar Furnierleisten, sondern in einen Raum aus Holz. Mahagoni, wohin man sieht. Wände, Schränke, Handläufe — alles massiv oder mit einem Furnier, das so dick ist, dass es auch nach fast 50 Jahren noch niemand durchgeschliffen hat. Bis auf die eine Stelle auf dem Tisch, das war ich.

Über allem spannt sich die Holzdecke, getragen von Querstreben aus heller Esche und dunklem Mahagoni — abwechselnd geschichtet, jede Schicht vielleicht einen Zentimeter stark.

Andere nennen so etwas despektierlich eine “Mahagoni-Höhle”. Wir nennen es großartig. Alles wirkt sehr wertig und durchdacht, als hätte sich jemand mit sehr viel Erfahrung und handwerklichem Geschick wirklich Mühe gegeben. Und so ist es ja auch.

Der Salon

Der Salon ist das Wohnzimmer der Auguste, und er fühlt sich auch so an.

Das Erste, was auffällt: Es ist hell hier drin. Das liegt nicht am Mahagoni — das ist dunkel genug, um jeden Raum in eine viktorianische Bibliothek zu verwandeln. Aber die neuen Polster in Cremeweiß brechen das Holz auf, und die Gardinen — im selben hellen Ton, aber mit einer anderen Struktur — tun ihr Übriges. Aufgehängt sind sie an Messingstangen, die wir mühsam wieder auf Hochglanz poliert haben. Die waren längst schwarz angelaufen, wie alles an Messing, das ein paar Jahrzehnte auf einem Segelboot verbracht hat. Die Gardinen näht die Beste Bordfrau von Allen übrigens selbst.

Helle Polster auf einem Segelboot, auf dem auch ein Hund mitfährt — das klingt nach einer Entscheidung, die man bereut. Angeblich lassen sie sich aber hervorragend reinigen. Wir werden sehen. Zusammen mit den Gardinen hellen sie den Salon jedenfalls so auf, dass man gerne drin sitzt und es einfach nur gemütlich ist.

An Steuerbord sitzt man in einer U-förmigen Gruppe aus Bank und Tisch — der klassische Platz zum Essen, Kartenspielen, Lesen, Kaffeetrinken. Auf der Backbordseite liegt eine breite Bank, deren Rückenteil man nach oben klappen und festbinden kann. Dann wird aus der Sitzbank eine Koje, gut 1,20 Meter breit. Dazu gibt es ein ordentliches Leesegel, das unter der Matratze befestigt und am Handlauf über Kopf eingehakt wird. Wer hier bei Lage schläft, liegt sicher.

Bank an Backbord, kann zu einer 1,20m breiten Koje umgebaut werden - inclusive Leesegel

Unter allen Bänken verbirgt sich Stauraum — Decken, Werkzeug, alles, was man nicht ständig braucht, aber eben doch dabei haben will. Auf beiden Seiten des Salons laufen über die gesamte Länge der Bänke zusätzliche Fächer: In der Mitte jeweils ein offenes Bücherfach, links und rechts davon ein Fach mit Türen. Zusammen ergibt das auf jeder Seite rund zwei Meter Stauraum in Griffhöhe. Eines der Bücherfächer wird demnächst in eine Bar umfunktioniert — für die Bibliothek stehen in der Navigationsecke und an Backbord aber noch zwei vollkommen ausreichende Fächer zur Verfügung. Direkt daneben hat die Werft ab Werk ein Gläserfach eingebaut, mit Halterungen für gut zwei Dutzend Gläser. Man wusste in Kungsviken offenbar, worauf es ankommt.

Fächer an Backbord

An der Steuerbordwand Richtung Vorschiff hängt eine alte, voll-kardanisch aufgehängte Petroleumlampe — blankpoliert, schwer, aus einer Zeit, als „Ambiente“ noch kein reiner Marketingbegriff war. Und LEDs noch nicht erfunden. Und weil nicht alles Neue automatisch schlecht ist, haben wir die alten Lampen durch neue LED-Leuchten ersetzt, von Prebit mit “dim-2-warm”-Funktion.

Kardinisch aufgehängte Petroleumlampe

Gegenüber, neben dem Durchgang ins Vorschiff: eine Uhr, ein Barometer, ein kombiniertes Thermometer mit Hygrometer. Die üblichen Instrumente, ebenfalls frisch poliert. Das war Arbeit.

Instrumente neben dem Durchgang zum Vorschiff

Was man überall im Boot spürt ist, dass das Boot für “richtiges segeln” entworfen wurde. Im Salon sind beispielsweise über die gesamte Länge bis ins Vorschiff und auf beiden Seiten massive Handläufe aus Mahagoni montiert. Die Blende unter den Fenstern ist als zweiter, niedrigerer Griff geformt. Man kann sich bei Seegang jederzeit sicher bewegen, ohne nach einem Haltepunkt suchen zu müssen.

Die Pantry

Rechts vom Niedergang liegt die Pantry, durch ein offenes Schott von der U-Sitzgruppe getrennt. Eine praktische Durchreiche übrigens. Auch die Pantry ist U-förmig angelegt und bietet genug Arbeitsfläche. Die Arbeitsplatte ist frisch geölt, den neuen Gasherd mit Backofen — kardanisch aufgehängt, versteht sich — haben wir nachgerüstet. Angeschlossen ist er noch nicht, wir arbeiten noch an der Gasinstallation und behelfen uns derweil mit einem Induktionsherd.

Unter der Arbeitsfläche reihen sich Fächer und Schubladen aneinander. Ein tiefes Fach mit Klappe schluckt alles, was sperrig ist; der Kühlschrank öffnet sich nach oben mit einem Deckel — effizienter als jede Frontladertür, weil die kalte Luft nicht herausfällt. Wer hier kocht, hat alles in Reichweite und muss sich nicht verrenken. Das ist durchdacht, nicht großzügig — aber genau das braucht man auf See.

Die Navigationsecke

Gegenüber der Pantry, an Backbord, liegt der Navitisch. Klein geraten — das muss man ehrlich sagen. Für eine aufgeschlagene Seekarte reicht er, für ausgebreitete Papiere und einen Laptop gleichzeitig eher nicht. Aber er ist da, und das ist mehr, als viele moderne Boote bieten, die den Kartentisch gleich ganz weggespart haben.

Die Navigationsecke

Über dem Tisch sitzt die Schalttafel, daneben ein weiteres Bücherfach. Zwischen Navitisch und Salon steht ein schmaler, hoher Schrank — perfekt für Ölzeug. Oben eine Ablage mit hoher Schlingerleiste, auf der Fernglas, Handscheinwerfer oder das Hafenhandbuch ihren Platz finden.

Schrank für das Ölzeug

Das Vorschiff

Durch den Durchgang vom Salon kommt man ins Vorschiff. Eine V-Koje, wie man sie kennt — vorne spitz, nach hinten breiter werdend. Links und rechts Schapps hinter Türen und Klappen. Wieder: Mahagoni, wohin man schaut. Und wieder: erstaunlich viel Ablage und Stauraum für ein Boot unter elf Metern.

Vorschiff-Kojen

Ein Skylight sorgt auch hier für Helligkeit und einen frühen Start in den Tag. Ich hätte lieber wieder den Holzdeckel der frühen Vindös, auch optisch fände ich das schöner.

Skylight im Vorschiff

An Steuerbord liegt direkt hinter dem Durchgang die Nasszelle. Eine Jabsco-Toilette in der „Komfort”-Variante, Schränke, viel Holz.

Nasszelle

Gegenüber, an Backbord, ein Kleiderschrank — nicht riesig, aber zusammen mit dem übrigen Stauraum im Boot reicht es für mehr als nur ein Wochenende.

Kleiderschrank

Die Achterkajüte

Die Auguste ist eine 50 SL, und das „SL“ steht Luxus in Form einer separaten Achterkabine. Sie ist nur vom Cockpit aus zugänglich, durch ein zweiteiliges Steckschott, das man von oben einsetzt und herausnimmt. Drinnen gibt es keine Stehhöhe, je eine Koje auf beiden Seiten, ein kleines Tischchen für den Morgenkaffee, und zwei kleine Fenster, durch die gerade genug Licht fällt.

Es ist nicht der luxuriöseste Raum an Bord — aber er ist komplett mit Mahagoni ausgekleidet, gemütlich, und vor allem: abgetrennt. Perfekt für Gäste, für die Kinder, oder für den Moment, in dem man einfach die Luke zumachen und in Ruhe lesen will, während im Cockpit noch diskutiert wird, ob man morgen den Anker lichtet oder nicht.

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