Auguste von Orusts erster Krantermin

Nach einem Jahr im Refit liegt die ‘Auguste von Orust’ nun endlich wieder im Wasser. Es ist ein tolles Gefühl, das Boot nach so langer Zeit wieder schwimmen zu sehen und zu spüren, wie es sich anfühlt, an Bord zu sein. Endlich wieder segeln statt basteln. Aber so ganz reibungslos lief die Premiere nicht ab und auch fünf Tage danach sind wir noch nicht bereit, auszulaufen.

Am 11.5. (Montag) sollte das Boot endlich wieder ins Wasser, am Mittwoch wollten wir dann noch die Masten stellen. An den Großmast kamen wir im Hallenlager kaum heran, er war etwas eingekeilt am Rand der Halle - und die wesentlichen Teile des Riggs lagerten noch beim Transporteur in der Halle, die konnten wir noch gar nicht begutachten. Aber zwei Tage sollten ja wohl reichen, um ein paar Wanten & Stagen vorzubereiten. Dachten wir uns.

Ohne Steuerrad ins Wasser?

Da wir noch einiges vorzubereiten hatten und das erste Kranen mit unserem neuen Boot ohne Stress angehen wollten, reisten wir schon am Donnerstag Abend an. Freitag musste ich noch arbeiten, da sollte nicht viel passieren, aber Samstag ging es dann los. Das Steuerrad musste beispielsweise noch montiert werden. Das alte Steuerrad, original aus Holz, war ja leider hinüber, das neue fix und fertig vorbereitet. “12 Minuten” hatte Axel geschätzt.

Währenddessen bekamen wir sogar noch Unterstützung von Marc: Das Antifouling wurde um eine weitere Schicht ergänzt, der Besan vorbereitet und diverse andere Dinge erledigt. Währenddessen also das Steuerrad. Das war ganz einfach: ein paar Schrauben, und schon … machte es ZONNNNGGGGGG! und der Bowdenzug war gerissen. Dachten wir. Good bye, Krantermin, schade um dich, Segeltörn in der Dänischen Südsee, so ging es mir in dem Moment durch den Kopf. Danach folgten ein paar derbe Flüche, die ich hier nicht wiedergeben möchte.

Eigentlich wollten wir am Mittwoch Abend im Fox & Hounds in Sønderborg sitzen. Aufriggen, Segel anschlagen, zack und fertig. Allerspätestens Donnerstag Abend. Ursprünglich war mit Marc und meinem Bruder ja überhaupt ein Himmelfahrtstörn geplant.

Wenn man den lieben Gott erheitern will, dann schmiedet man Pläne.

Zum Glück hat Axel nicht eine so kurze Lunte wie ich und mit einigem nachdenken & probieren kam er dann auf die Lösung: Wie hatten irgendwann die Bowdenzüge gelockert (ich weiß nicht mehr warum). Beim Einbau unserer Batteriebank müssen wir dann daran gezogen haben, so dass einer der beiden Züge jetzt nicht mehr in seiner Halterung saß. Steuern konnte man so kaum noch, das wäre lustig geworden, im Hafen. Für die anderen.

Das Problem war nur, dass man an die Züge kaum heran kam. Für mich unmöglich (Bauch), für Axel auch (Knie) - aber Judith war gelenkig genug. Hinterher hatte sie dann allerdings ‘Rücken’… Irgendwie ging es jedenfalls und ich konnte die Bowdenzüge am Ruderquadranten fixieren und die 0° und 6° Markierungen am Rad anbringen (die verraten mir dann irgendwann, ob die alte Dame zu luvgierig ist oder schön ausbalanciert segelt)

Ende gut, alles gut, der Krantermin konnte kommen.

Sonntag bekam die ‘Auguste’ dann noch ihren neuen Namen: ‘Auguste von Orust’. Im Juni wird sie dann offiziell geadelt. Umtaufen wäre ja ein Frevel. Die Schrift ist etwas dünn geraten, aber edel sieht es aus. Die Salonlampen sind mittlerweile montiert, so wie ungefähr zehntausend andere Aufgaben erligt sind. Ich bin auch erledigt.

Wir räumen alles ein und die auf und trinken das erste Bierchen im frisch eingerichteten Salon. Ein Bild fehlt noch. Von Beken of Cowes, schon bestellt.

Dreimal Kranen

Montag 11.5. ist dann der seit einem Jahr heiß ersehnte Tage. Einfach nur ins Wasser setzen, ein Selbstläufer, da kann ja nix passieren. Der Motor wurde von Thiesen gewartet, der wird schnurren.

Ich bin etwas nervös, weil ich das erste mal einen Langkieler im Hafen manövrieren darf - und gerade die Vindö ist ja berüchtigt dafür, rückwärts vollkommen unberechenbar zu sein. “Beobachten, wo sie hin will und dann souverän so tun, als ob das der Plan war” war der beste Tip, den ich finden konnte. Das Bugstrahlruder wollte ich geflissentlich ignorieren - erstmal muss man das Boot beherrschen, dann kann man Hilfsmittel verwenden. Finde ich.

Der Tag wurde dann doch etwas abwechslungsreicher, als gedacht. Unser Transporteur kam etwas früher, dafür aber ohne unser Rigg. ‘Wanten & Stagen? Nö, die hab ich nicht’ War der Satz, den ich echt nicht hören wollte. Pokerface, jetzt nur nicht ärgern. Ich rufe Axel an, die beiden telefonieren, unser Hafenmeister hört von der Sache und organisiert vorsichtshalber schon mal einen Rigger, der uns helfen könnte (frühestens in zwei Wochen, aber immerhin).

Nun gut, Ruhe bewahren, erstmal muss das Boot ins Wasser, das Rigg kommt ja erst am Mittwoch.

An den Kran und ins Wasser, die neue Logge & Seeventile kontrolliert - Wassereinbruch! Die Logge ist nicht dicht. Raus aus dem Wasser, nachziehen, wieder runter: immer noch nicht dicht. Und gleich zwei Schläuche an den neuen Seeventilen lecken ebenfalls (Spoiler: wenn man bei 5° eine Schlauchschelle auf den Schlauch setzt, sollte man wirklich einen Heißluftfön verwenden - oder zumindest die Schelle später noch einmal nachziehen, wenn es wärmer wird. Und zwar vor dem Kranen). Unnötig zu sagen, dass man an die Schlauchschellen kaum noch heran kam. Zum Glück war unser Sohn dabei, der durchtrainiert und schlangengleich in den Motorraum krabbelte. Held!

Das Boot kommt wieder an Land, wir dichten mit Pantera nach, das Boot soll wieder ins Wasser - und der Kran bleibt samt Boot einfach stehen und rührt sich nicht mehr. “Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein …” denke ich und frage vorsichtshalber bei Axel an, ob wir noch eine Nacht bleiben könnten - denn eigentlich wollten wir ja auf dem Boot bleiben. Nutzt ja nix.

Irgendwie bekommt der Hafenmeister den Kran wieder zum Laufen und das Boot kommt endlich ins Wasser.

Am Ende alles in Ordnung. Der dritte Versuch klappte, das Boot war dicht, der Hafenmeister blieb ruhig, wir bedankten uns mit Kuchen - und auch das verlorene Rigg fand sich noch in den tiefen der Bootshallen. Der Transporteur ist extra noch einmal alles durchgegangen und hat nach acht Jahren den Karton mit den fehlenden Teilen gefunden. Noch ein Held!

Abends fühlten wir uns sehr, sehr glücklich. Und wie durchgekaut & ausgespuckt. Völlig erledigt. Was für ein Finale nach einem Jahr Refit!

Ende gut

Bis Mittwoch haben wir noch etwas Zeit. Wir reinigen alles, montieren noch ein neues Ankerlicht und den Geber vom Windmesser. Ziehen neue Leinen durch und fixen alle möglichen Dinge. Montieren die neuen (andere Geschichte, aber wir hatten neue Salinge für den Besan) Salinge und, siehe da? Gleiche Form, gleiche Bohrungen aber: sie passen nicht. Anscheinend sind die neuen doch etwas anders geformt - aber mit dem Akku-Winkelschleifer werden die Salinge passend gemacht.

Zum Masten stellen muss ich also wieder zum Kran in die Box - zum zweiten mal Langkieler, diesmal sogar mit etwas Wind. Kurz vor der Box ruft der Kranführer, dass ich rückwärts rein soll. Ist ja kein Ding, das Boot kenne ich ja mittlerweile wie meine Lille. Fast jetzt.

Wider erwarten läuft alles glatt. Zurück in die Box, wir machen Getränke auf, alle möglichen Leute kommen vorbei und endlich stellt sich die Euphorie ein. Was für ein unglaublich schönes Gefühl, wenn man nach so langer Zeit und so viel Arbeit das Ergebnis mit Masten genießen kann. Ich fühle mich, wie ein Bürgermeister - und ganz nebenbei habe ich auch noch Geburtstag.

Ansegeln

Die nächsten Tage fühlen sich nicht ganz so großartig an. Das Rigg muss noch gerichtet, das laufende Gut noch gespleißt und getakelt werden. Blöcke und dutzende andere Dinge fehlen noch, so dass wir jeden Tag zu Skips fahren und ein weiteres, längst nicht mehr vorhandenes Vermögen ausgeben müssen.

Ums verrecken bekommen wir es nicht hin, dass die Masten alle grade stehen. Der Besan hat einen fiesen Sprung nach achtern, er sieht einfach falsch aus. Der Großmast steht dafür leicht nach vorne geneigt, was man beides mit dem Genickstag, das ein Vorbesitzer wegoptimiert hat, ohne weiteres korrigieren könnte. Notiz an mich: Genickstag wieder montieren. ´

Tausend andere Dinge halten uns vom wohlverdienten ansegeln ab - aber davon will ich ein anderes mal berichten. Vielleicht. Auf jeden Fall unterschätzt man es total, was bei einem so alten und vor allem unbekannten Rigg alles noch zu tun ist und wie lange man daran basteln kann. Wir wollen es ja jetzt auch ordentlich machen, und dazu gehören eben auch diverse Spleißarbeiten.

Segeln können wir dann vielleicht morgen (vier Tage nach dem Masten stellen). Drückt uns die Daumen.

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