Flensburg

Flensburg

Flensburg ist unser Heimathafen — und damit der eine Platz im Törnführer, den wir nicht besuchen, sondern eher bewohnen: Wir fühlen uns hier absolut zu Hause.

Marinas gibt es hier gleich eine ganze Reihe; unsere liegt an der Hafenspitze, dort, wo die Förde nach rund vierzig Kilometern endet und die Stadt direkt ans Wasser tritt. Vom Boot bis in die Fußgängerzone sind es ein paar Minuten zu Fuß.

Mit Klick werden Kartendaten von OpenStreetMap & OpenSeaMap geladen. Deine Zustimmung wird für weitere Besuche gespeichert (Datenschutz).

Gegenüber: der Museumshafen

Der schönste Blick vom Liegeplatz aus ist der über das Wasser nach Westen. An der Schiffbrücke, gleich neben dem Schifffahrtsmuseum, liegen die Boote und Schiffe des Museumshafens — segelnde Berufsfahrzeuge aus der Ostsee, den Belten und dem Kattegat, die ein Verein seit 1979 fahrtüchtig hält. Haikutter und Galeassen, Heringslogger, dänische Jagten, dazwischen die kleinen Jollen und Sjekten: Holz, Teer und Hanf. Dazu das Bohlwerk mit dem Nachbau eines Mastenkrans von 1726, der Wachhütte und dem Lüttfischerhafen. Wir liegen selbst nicht dort, sondern schauen vom Cockpit aus hinüber — ein Museum, dessen Exponate an einem guten Tag einfach ablegen.

Der bekannteste Kutter dort ist die Dagmar Aaen: 1931 in Esbjerg aus Eiche gebaut, eigentlich ein Fischkutter, seit dem Umbau 1988 aber das Expeditionsschiff von Arved Fuchs — mit ihr hat er 2002 die Nordostpassage gesegelt, rund 130.000 Seemeilen stehen inzwischen im Logbuch. Wenn sie nicht gerade irgendwo im Eis unterwegs ist, liegt sie hier.

Zweimal im Jahr wird es besonders voll: zur Rum-Regatta am Wochenende nach Himmelfahrt, dem größten Treffen ehemaliger Berufssegler in Nordeuropa, wenn über hundert Schiffe einlaufen — und zur Apfelfahrt am letzten Wochenende der Sommerferien, wenn die Schiffe nach Glücksburg segeln, Äpfel laden und sie hier verkaufen.

Die Alexandra — Liebe mit Rußbelag

Zum Salondampfer Alexandra haben wir ein herzlich zwiespältiges Verhältnis. Sie ist ein Prachtstück: 1908 bei Janssen & Schmilinsky in Hamburg gebaut, der letzte erhaltene Fördedampfer, seit 1990 Kulturdenkmal, und im Sommer fährt sie tatsächlich — mit kohlebefeuerter Dampfmaschine, um die sich ein Förderverein kümmert. Wenn sie unter Dampf geht, riecht der halbe Hafen nach Kohlenfeuer, und das ist ein Geruch, den man mögen muss. Wir mögen ihn.

Was wir weniger mögen, ist das, was danach kommt: Bei ungünstigem Wind zieht die Fahne aus dem Schornstein genau über unsere Ecke, und dann liegt der Ruß auf dem Deck. Immer besonders zuverlässig an dem Tag, an dem man gerade fertig geschrubbt hat. Man kann darüber schimpfen — oder man kann sich damit abfinden, dass ein Dampfer nun einmal dampft, und beim nächsten Mal einfach eine Stunde später schrubben. Wir machen mal das eine, mal das andere.

Das Kapitänsviertel — der schönste Landgang

Wenn wir Gästen nur einen einzigen Spaziergang empfehlen dürfen, dann diesen — und das Schöne ist: Er beginnt gleich hinter dem Steg. Vom Hafenkopf nach Osten den Hang hinauf, keine zehn Minuten, dann ist man im Kapitänsviertel in Jürgensby und damit aus der Stadt heraus und in einem Dorf, das zufällig mitten in Flensburg liegt.

Gebaut haben hier ab etwa 1750 Küstenkapitäne, Schiffsoffiziere und Handwerker — mit Absicht außerhalb der Stadtmauern, denn das Land gehörte dem St.-Jürgen-Hospital, die Steuern waren niedriger, und den Blick über die Förde gab es umsonst dazu. Geblieben sind die niedrigen Häuser an der unteren St.-Jürgen-Straße, viele davon Kulturdenkmale. Zwischen ihnen klettern die schmalen Gänge als Kopfsteintreppen den Hang hinauf, Steuermannsgang und Schiffergang zum Beispiel — deshalb heißt das Viertel auch Gängeviertel.

Untere St.-Jürgen-Straße im Sommer — Stockrosen an fast jeder Wand (Foto: Marseille77, CC BY-SA 4.0)

Am schönsten ist es im Sommer, wenn die Stockrosen blühen — mannshoch, vor fast jeder Hauswand, mitten im Pflaster. Hier lohnt es sich, langsam zu gehen und auf die Details zu achten: An einer der Wände sitzt ein kleiner gemalter Hamster mit Reisegepäck, von einem anonymen Flensburger Sprayer. Und über der Tür von Nummer 21 steht noch die Inschrift, die sich der Erbauer 1781 dort hat anbringen lassen: „Soli Deo Gloria / Hans Thielsen / Engeburg Thielsen”.

Wer sich nicht einfach treiben lassen mag, folgt dem ausgeschilderten Kapitänsweg. Und weil es dieselbe Hafenseite ist wie beim Piratennest, kann man nach den Gängen wieder hinunter ans Wasser gehen und die gut zwei Kilometer am Ostufer weiter nach Norden — ein ausgesprochen guter Nachmittag.

Essen, trinken, an Land gehen

Flensburg hat weit mehr Orte, als in einen Eintrag passen. Die, die für uns dazugehören, haben ihren eigenen Steckbrief:

  • Die Hafenküche direkt am Schifffahrtsmuseum — außergewöhnlich gutes Essen, und im gleichen Haus das Seemannsheim, falls man mal eine Koje an Land braucht.
  • Der Kanalschuppen gleich neben dem Hafen: Pizza, Terrasse am Wasser, manchmal etwas trubelig — meistens genau richtig.
  • Das Piratennest draußen am Ostufer, an der Harniskaispitze. Alternativ, preiswert, entspannt — und mit Blick auf die Förde.
  • Die Weinstube im Krusehof in der Roten Straße — sehr gute Flammkuchen, ordentlicher Wein und ein leckeres Störtebeker in einem der alten Kaufmannshöfe. Wer einmal sehen möchte, wie Flensburg früher aussah, ist hier richtig.
  • Braasch Rum, ein paar Schritte weiter in der Roten Straße — Flensburger Rum und ein kleines Museum im Hof. Unser Favorit ist der „Dark Cane”.
  • Hansens Brauerei an der Schiffbrücke, für das Bier aus dem eigenen Haus. Ordentliches Essen und außerordentliches Bier.

Die Liste bleibt unvollständig; das ist bei einem Heimathafen wohl so.

Und dann gibt es noch das, was einen Heimathafen erst zum Heimathafen macht: das Einlaufen am Sonntagabend, wenn die Förde hinter einem liegt und vorne schon die Altstadt steht. Wir sind diese letzten Meilen inzwischen so oft gefahren, dass wir sie im Dunkeln könnten — und trotzdem schauen wir jedes Mal. Wahrscheinlich ist das Schönste, was man über einen Heimathafen sagen kann, dass man sich nach einem langen Törn jedes Mal freut, wieder dort anzukommen. Und genau so geht es uns.