Borddurchlässe & Seeventile tauschen

Bei der Übernahme der Auguste war uns vollkommen unklar, wann das letzte mal die Borddurchlässe und Seeventile getauscht wurden. Rechnungen oder ähnliches waren nicht vorhanden, aber die meisten größeren Refitarbeiten lagen etwa 30 Jahre zurück. Nach allen anderen Dingen, die wir so aus neuerer Zeit gefunden haben (sehr viel Tape zum Beispiel), waren wir allerdings von vornherein ein wenig skeptisch…

Unsere Skepsis war mehr als berechtigt. Schon beim entfernen der Schläuche (hier der Ablauf der Bilgenpumpe) konnten wir das Ventil samt Borddurchlass einfach per Hand drehen. Die Dichtungsmasse hielt anscheinend schon lange nicht mehr dicht. Manchmal denke ich, das Boot wurde früher von einem professionellen Gefahrensucher gesegelt.

Ursprünglich dachten wir eigentlich, dass wir zwei der Durchlässe, die wir nicht mehr brauchten, erstmal per Blindstopfen verschließen könnten. Aber wenn man schon mal dabei ist – und nach der Erfahrung? Also, alles raus und nicht benötigte Löcher zulaminieren!

Plaste oder Bronze?

Bisher gehörte ich eigentlich immer zur „Bronze-Fraktion“, wenn es um Seeventile ging. Metall klingt doch um einiges verlässlicher und Plastik statt Metall ist eigentlich immer die minderwertigere billig-Lösung. Oder? Ich habe mich dann trotzdem mal informiert, nachdem ich vor kurzem wieder über die Trudesign-Ventile gestoßen bin. Unter anderem bei Bootsmann Baum in Gelting – und der schwört aus verschiedenen Gründen auf Trudesign, insbesondere, wenn man die Borddurchlässe mit Epoxy einklebt statt sie mit Pantera einzudichten:

  • Mit Epoxy ergeben die Kunststoff-Durchlässe eine feste Einheit mit dem Rumpf. Sollte man jemals das Ventil wieder tauschen wollen, schraubt man es einfach ab und ersetzt es durch ein neues. Bei dem Eindichten mit Pantera besteht immer das Risiko, dass sich der Durchlass mit dem Ventil mitdreht – die Dichtung ist damit Geschichte.
  • Die Vielfalt an Durchlässen mit Winkelverbindern, Schlauchverbindern, Rückschlagventilen, unterschiedlichen Griffen etc. pp. ist einfach unübertroffen. Für die Technik-Fetischisten gibt es sogar eine elektrische Überwachung der Ventilstellung.
  • Die Ventile lassen sich sehr viel leichter drehen, als die Metallventile (wir hatten auf der Lille Svea gerade neue Ventile eingebaut und daher den direkten Vergleich).
  • Sicher scheinen sie auch zu sein, auch frostsicher, vor allem spielt aber Korrosion aus naheliegenden Gründen keine Rolle.


Nachteile gibt es natürlich auch:

  • Die Ventile sind ein wenig größer, als die aus Messing oder Bronze.
  • Sie sind um einiges teurer, so um die 40€, je nach Größe.

Über die Lebensdauer eines Ventils gerechnet, sollte der Preis eigentlich keine große Rolle spielen, aber das muss natürlich jeder für sich entscheiden. „Böse Zungen“ (Erdmann Braschos auf https://www.boat24.com/de/blog/dumme-ideen-im-segelyachtbau/) behaupten übrigens, dass „Bavaria Seeventile“ von SVB aus „billigem Baumarkt-Messing“ mit zu hohem Zinkanteil bereits nach etwa fünf Jahre bereits wieder ersetzt gehören, womit der Preisvorteil jedenfalls dahin wäre.

Auf mich machte das Ganze jedenfalls einen sehr guten Eindruck, und so wurde es Trudesign.

Alte Durchlässe entfernen

Der erste Schritt bestand also darin, die alten Seeventile zu entfernen:

  • Zu- und Ablauf der Toilette
  • Ablauf vom Waschbecken
  • Ablauf vom Spülbecken
  • Zulauf Kühlwasser
  • Ablauf der Bilgenpumpe
  • Abläufe der Cockpit-Lenzer

Zusammen also acht Seeventile plus ein Seewasser-Zulauf für die Spüle, wie man sie auf Blauwasser-Yachten gelegentlich noch findet: Das wollten wir verschließen, genau wie einen alten Durchbruch für einen defekten Durchbruchgeber für die Logge. Mit einem handlichen kleinen Akku-Winkelschleifer („Flex“) mit Fächerscheibe ging das einigermaßen fix. Axel holte damit den äußeren Ring der Durchbrüche herunter, übrig blieb nur einer dünner Ring. Mittlerweile habe ich gelesen, dass das mit einem Stufen- bzw. Kegelbohrer noch einfacher gehen soll – den hätten wir allerdings gar nicht zur Verfügung gehabt.

Ohne den äußeren Ring ließen sich die Ventile von innen ohne größeren Widerstand herausziehen. Die alten Schläuche haben wir bei der Gelegenheit gleich mit entfernt, von den alten Ventilen hätten wir sie auch niemals zerstörungsfrei herunterbekommen.

Das war dann mal wieder eine Gelegenheit für mich, dankbar für meine handwerklich und auch sonst begabte Frau zu sein, die sich unerschrocken in jede Backskiste quetschte.

Neue Durchlässe

Die neuen Durchlässe wollten wir wie gesagt nicht mit Pantera einkleben, sondern mit Epoxy sozusagen zu einem Bestandteil des Rumpfes machen. Dafür haben wie die Gewinde etwa in Rumpfstärke mit Schleifpapier angeraut und mit reichlich Epoxy eingelassen. Ziel war es, rundherum und innen wie außen eine leichte Wulst herausquellen zu lassen, die man dann zu einer Hohlkehle abziehen kann. Da man ja mehrfach ansetzen kann, ist das keine große Sache.

Das Epoxy haben wir mit West System 404 High Density Filler angedickt. Wie man auf den Fotos vielleicht sieht, hätten wir ohne weiteres noch etwas dickflüssiger anrühren können – also eher Erdnussbutter als Mayonnaise. Aber so ging es auch ganz gut.

Die Durchlässe waren damit für’s erste versorgt und konnten aushärten. Demnächst werden wir sie noch schleifen, grundieren und im Frühjahr dann rundherum wieder mit Antifouling und Pockenfett versorgen.

Neue Ventile

Am nächsten Tag waren die Durchlässe also ausgehärtet und es ging an die Seeventile.

Dazu gibt es nicht wirklich etwas zu erzählen: Das Gewinde wird soweit gekürzt, dass das Ventil auf dem Socken des Durchlasses fest aufliegt und angezogen werden kann. Das geht mit jeder Baumarkt-Säge (meine guten Japansägen wären mir dafür zu Schade). Anschließend wird das verbleibende Gewinde (so ca. 3cm sollten schon noch zu sehen sein) mit Loctite umwickelt, dann kann man das Ventil aufschrauben. Sollte die Stellung des Hebels eine Rolle spielen (in der Toilette beispielsweise), kann man zuvor die Umdrehungen zählen und schauen, ob man vielleicht doch noch einen Millimeter des Gewindes kürzen sollte. Ansonsten einfach wieder alles abschrauben, dass ist bei dieser Variante der Montage gar kein Problem.

Schläuche sollten vor allem unter der Wasserlinie unbedingt doppelt gesichert werden. Wir haben dafür Schlauchschellen aus Edelstahl verwendet.

Und das war es auch schon. Easy 🙂 Das schwierigste war übrigens tatsächlich das aufsetzen des Schlauches auf den Schlauchverbinder. Mit Schmierseife und einem Heißluftföhn ging es dann aber doch. Nur als wie den Schlauch oben auf ein uraltes Zölliges Gewinde setzen mussten, kamen wir nicht mehr weiter. Aber ein Adapter ist bereits bestellt, auch hier werden wir demnächst wieder einen Trippelschritt in Richtung ‚Fertig’stellung der Auguste machen.