Ein Grund dafür, dass die Vindö überhaupt in unser finanzielles Budget passte war der erbarmungswürdige Zustand der Aufbauten. Das Holz ist irgendwann mit einem Winkelschleifer (‚Flex‘) malträtiert – man könnte auch sage geschändet worden. Ein ungeduldiger Mensch wollte anscheinend schnell mal den Lack entfernen und hinterließ dabei tiefe Kerben und Schleifspuren. Immerhin wurde dieser Fehler nicht vollständig durchgezogen, so dass nur etwa die vordere Hälfte der Aufbauten so grob behandelt wurde.

Der im Anschluss aufgetragene Lack erinnerte bei Kauf des Bootes eher an braune Baumarkt-Tünche, als an einen Klarlack: Die Aufbauten waren dunkelbraun, fleckig, scheckig, unansehnlich.
Ein solches Aussehen hat dieses wunderschöne Boot nicht verdient.
Holz abziehen
Zunächst haben wir den alten Lack entfernt, alle möglichen Teile demontiert und das Holz anschließend wieder plan geschliffen.

Der Lack wird mit Heißluftföhn und Ziehklinge abgezogen. Das Ergebnis ist noch sehr fleckig, was sich beim schleifen aber sehr schnell gibt. Insgesamt ist es eine meditative Arbeit, die relativ gut von der Hand geht.

Vor dem Schleifen ist noch einiges zu tun. Fenster ausbauen, …

…von der Innenseite des Süllboards her die Proppen entfernen und die darunter befindlichen Schrauben lösen, um dann…

…die Winschenbretter zu demontieren. Ja, und alles andere, was irgendwo auf den Lack geschraubt ist: Beschläge, Messingleisten, Schiebluken, etc. pp.

Einige Proppen haben deutliche schwarze Ränder. Nach vorsichtigem Klopfen sehen wir, dass manche davon ersetzt werden müssen (Proppen mit einem kleinen Schraubenzieher vorsichtig herausstechen, Schrauben ziehen, tiefer bohren, neue Schraube einsetzen, Proppen einem Tropfen PU Leim wieder einsetzen).
Die schwarzen Ränder lassen sich nicht vollständig entfernen, dafür sind die Proppen aber anschließend wieder fest verleimt.

„Und schon“ kann mit 120er und 180er Papier geschliffen werden. Vorsichtig mit dem Exzenter, dem Schwingschleifer und an den Rundungen auch von Hand mit Schleifschwämmen.

Die Fugen zwischen Teak und Mahagoni müssen alle entfernt werden, sowohl oben als auch unten am Aufbau. Mit einem Cutter, Fugenkratzer und Schleifpapier geht das gut und ist in vielleicht zwei Stunden erledigt.
Nebenbei ist das eine gute Übung für später, wenn das Deck dran ist…
Baustellen
Beim abziehen des Lacks und bei der Demontage der diversen Kleinteile zeigten sich dann ein paar Baustellen.

Das hier war mal der Reitbalken für den Traveller im Cockpit. Eingebaut sah er noch fast ok aus, aber spätestens beim ziehen der Schrauben wurde klar, dass das Holz rott ist. Eine kräftige Böe, dann hätte man Freude gehabt…



An Backbord ist das Süll ebenfalls rott. Wir schneiden ein Stück mit dem Multimaster heraus (von beiden Seiten – hier nur die Innenseite), passen ein neues Stück an und kleben es mit PU Leim ein. Der PU Leim quillt anders als Weißleim oder Epoxy auf und sorgt so für eine gute Haftung. Mit einem Brett verkeilen wir den Flicken.
Schleifen, beizen – und schon sieht man kaum noch etwas.

Eine Ähnliche Baustelle hatten wir am vorderen Aufbau – aber das ist eine separate Story wert und funktionierte leider nicht so, wie wir uns das gedacht haben…



Beizen, Grundieren, Lackieren

Alles sauber abkleben – und endlich kann gebeizt werden. Eine Schicht International Interstain reichte uns, zwei wären möglicherweise zu krass ins rot-geschminkte gegangen – aber das ist natürlich Geschmacksache. Die Beize hat einen deutlichen Rotton, anders als die von Epifanes, die eher braun ist und für ein kühleres Ergebnis sorgt. So extrem wie hier ist es nach zwei Tagen Auslüften aber nicht mehr.
Zwei Tage auslüften soll die Beize vor allem, wenn anschließend (wie bei uns) mit einem 2K-System lackiert wird.
Ob man überhaupt beizt, darüber kann man streiten. Nach über vierzig Jahren war allerdings der natürliche Rotton des Mahagonis durch die Sonneneinstrahlung ausgeblichen, und die wollten wir wieder auffrischen.
Nach dem Beizen darf nicht geschliffen werden, da das Ergebnis sonst schnell fleckig werden könnte. Vorsichtig auch beim späteren Zwischenschliff: auch dann kann man noch „durchschleifen“ und bekommt dann hellere Flecken im Lack. Ist uns später an einer Stelle tatsächlich auch passiert.
Wir grundieren zunächst mit vier Schichten Epifanes PP Extra und lackieren anschließend sechs Schichten Epifanes Polyurethane Klar. Für den Zwischenschliff zwischen fast jeder Schicht verwenden wir Mirka Handschleifpads mit 360er Körnung.



Die Reinigung vor jeder Schicht erfolgt mit Staubbindetüchern, gefolgt von Microfasertüchern und Epifanes 1K Spritzverdünner, Aceton oder Isopropanol.
Ein Fehler passiert uns in den ersten vier Schichten der Lackierung. Die Luftfeuchtigkeit ist zu der Zeit hart an der Grenze (mehr als 75% relative Luftfeuchtigkeit können laut Anleitungen zu einem sogenannten „soft cure“, mit im Extremfall weichem Lack führen. Wir machen uns die Arbeit aber nicht für ein mittelmäßiges Ergebnis… Jedenfalls besorgen wir uns ein ordentliches Hygrometer und warten einigermaßen vernünftige Bedingungen ab, verschieben die Lackierung und lassen dann auch einzelne Tage ausfallen – denn es ist tagsüber zwar unter, abends und nachts aber eben über teils deutlich über 75% (im September 25). Wir finden nicht heraus, ob eine durchschnittliche, oder eine aktuelle Luftfeuchtigkeit gemeint ist, also versuchen wir einfach, einigermaßen gute Bedingungen zu treffen. Wie lese ich irgendwo so schön:
Gute Bedingungen abzuwarten kostet keinen Cent und erhöht auch nicht den Aufwand.
Gut, allerdings sind unsere Urlaubstage endlich und wir haben auch schon August, September… Aber was soll man machen, wir warten etwas ab und kümmern uns erstmal um die vielen anderen Baustellen.
Das Problem bei 2K Lacken ist, dass bei zu hoher Luftfeuchtigkeit die Lösungsmittel nicht mehr schnell genug ausgasen. Wir vermuten daher, dass die Angabe „0-5% Verdünner“ bei hoher Luftfeuchtigkeit also eher so ausgelegt werden sollten, dass wir auf die Zugabe von Verdonnern besser verzichten.
Tatsächlich sehen wir aber nach den ersten Schichten eine deutliche Orangenhaut.

So soll es natürlich auch nicht aussehen… Also mit 240er Papier und zwei Tagen Arbeit alles wieder kräftig angeschliffen und anschließend den Lack mit sogar 10% Pinselverdünner angerührt und etwas satter aufgetragen. Das Ergebnis lässt sich sehen und uns wieder hoffen! Alles wird gut…
Nach jeder Schicht mal ein Foto zu machen und dann etwas hereinzoomen scheint uns eine gute Idee zu sein. Auf den Verdünner nicht zu verzichten und eher etwas mehr zu nehmen, ebenso. Der Lack verläuft einfach besser…
Mit genug Erfahrung wird das alles gar kein Problem mehr sein. Die müssen wir allerdings erstmal sammeln. Aber gut, Raketenwissenschaft ist das nu auch nicht…
Hier die detaillierte Anleitung zum ausdrucken und abhaken: Checkliste: 2K Lack im Außenbereich erneuern





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