Elektrik 1/n

Vor vierzig Jahren oder so hatte ich mal ein zwei in Physik. Vielleicht sogar zwei plus. Leider hörte kurz darauf meine Ausbildung in Sachen Elektrik auch schon wieder auf, so dass mir heute wenig mehr als gesunder Menschenverstand, ein paar Grundlagen und die Fähigkeit, aus Texten und YouTube gleichermaßen Informationen aufzunehmen, zur Verfügung steht.

Mein Vertrauen in meine Fähigkeiten musste nicht erst erschüttert werden – mir war schon von vornherein klar, dass wir etwas Hilfe brauchen werden, wenn es an die Elektrik unserer alten Dame geht. Zum Glück hat sich J., ein uns Bekannter Elektro-Meister in Rente und selber Bootseigner, bereit erklärt, uns unter die Arme zu greifen und in Sachen Know How auszuhelfen.

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Unsere Auguste ist in Sachen Elektrik ungefähr 1993 stehen geblieben. Beim Bau, 1979 wurden Kabel für die Lampen etc. gezogen – das ist alles noch in Ordnung und sehr schön ordentlich verlegt, bis zu einer Schalttafel, ebenfalls 1979, wo Sicherungen und Dipschalter bis heute ihren Dienst tun. Anschließend haben sich anscheinend mehrere Eigner über Jahrzehnte damit beschäftigt, hier und dort ein wenig Elektrik & Elektronik nachzurüsten: Eine Selbststeueranlage, mehrere Generationen von Logge/Log/Windmesser Sensoren und Anzeigen, ein Kartenplotter aus den 90ern, diverse elektrische Pumpen mit wirklich haarsträubenden Kabelführungen, eine billige Dieselheizung an ungeeigneter Stelle – und insgesamt fünf kleine Blei-Säure Batterien, mit teilweise aufgedunsenen Kabeln, die wohl mal „etwas warm“ wurden.

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Meister J. ist zwar Elektro-Meister, aber er ist eben kein Yacht-Elektriker. Einen solchen hatten wir auch einmal kurz an Bord: ‚Das muss alles neu‘ und ‚das sind mindestens 40h‘ haben wir dabei gelernt. Bei einem Stundensatz um die 90€, was ganz knapp außerhalb unseres Budgets lag. Und: dass Projekte, bei denen es um’s Strippenziehen geht, nicht so seins sind, dass er lieber die neueste Weltraum-Technik installiert. Gut, so kommen wir halt nicht zusammen, denn die neuesten Technik-Gimmicks interessieren uns nicht so, wir wollen segeln – und das auch eher nicht Vendee Globe, sondern so Fahrtensegeln in der Ostsee. Was wir wollen:

  • Tote Kabel ziehen. Wir wollen wieder verstehen, was wo wie angeschlossen ist. Wir wollen auch nicht, dass Kabel mit blanken Litzen irgendwo herumhängen, auch nicht, wenn es nur 12V sind. Wir sind da spießig.
  • Die Ladeinfrastruktur zwischen Lichtmaschine und Batterien sowie zwischen Landstrom und Batterien sollte funktionieren. Ach, wäre auch schön, wenn das mit diesem unschönen Kurzschluss, der uns neulich ein vorzeitiges, wenn auch kleines Sylvester-Feuerwerk spendierte, nicht wieder vorkommt.
  • Ein paar Steckdosen in Navi-Ecke, Pantry, Toilette & Achterkajüte. Die einzige Steckdose an Bord ausgerechnet in einer Backskiste zu haben, finden wir unpraktisch.
  • Ein paar USB-C Dosen am 12V Netz für die Mobilgeräte. Ich bin noch unschlüssig, ob ich eine wasserdichte Variante im Cockpit haben möchte – das machen wir dann später, wenn wir mit dem Boot auch mal segeln konnten.
  • Alles, was Strom bekommt oder liefert sollte vernünftig abgesichert sein und angemessene Kabel haben (Nein – das ist nicht selbstverständlich. Wir haben anderes vorgefunden.)
  • Alle Kabel incl Antenne & Navlights einmal überprüfen – macht nix, wenn dabei neue gezogen werden müssen (und ja, das war fällig)
  • Neue Instrumente & Geber installieren
  • Bugstrahlruder und Selbststeueranlage sollten funktionieren
  • Und wenn sonst etwas fishy ist, gleich mit erneuern. Besser jetzt, als im Frühling – denn dann wollen wir endlich das neue Boot ausprobieren! Abgesehen davon ist gerade alles offen, man kommt an alles dran. Die Backskisten sind leer, die Schränke auch…
  • Das gute Gefühl, dass alles funktioniert und nichts vor sich hin schmort.

Als Meister J. sich unser Boot anschaut, sind wir uns schnell klar: Der ist richtig. Ein neues Schaltpanel von Philippi? Jaaa – aber das alte ist doch noch gut?? Guck mal, die schönen alten Schalter… Alles raus? Nö – da kommt hier ein Dings und dort ein Bums und übrigens – dein Antennenkabel ist im Arsch, da ziehen wir ein neues, dafür brauche ich dann deine Hilfe. Was hast du für Instrumente? Das Raymarine i70 Set, ist meine Antwort. Das Bus-System für Seatalk kennt J nicht – aber scheißegal, das ist auch nur ne Strippe und die Installation gut dokumentiert…

Wird schon. Ich will ja keine Raketenwissenschaft an Bord. Instrumente, Geber, Nav-Lights, Pumpen, Licht, Steckdosen. Technik-Gimmicks a la Orca Core habe ich im Auge – aber nicht mehr dieses Jahr, mal schauen. Wird schon. Autohelm aus den 90ern und einen dazu passendes Bugstrahlruder sollten weiterhin(?) funktionieren. Und so weiter. Aber Kabel, die einfach unter der Stufe des Niedergangs freischwebend gezogen sind, und die ich mit meinen über 70 Kilo (ha-hmmm) abklemme, sobald ich auf die Stufe trete? Kabel in Girlanden durch die Schränke? – als ich sowas sah wunderte ich mich erst mal, auf was für Ideen die Leute so kommen… Man muss ja nicht alles können – aber haben die denn keinen J.?