Der Name

Als ich das Boot übernahm, hieß sie bereits Auguste. Früher hieß es mal Angie, nach unserer Kanzlerin. Die fiel dann aber in Ungnade (die Kanzlerin, nicht das Boot), also wurde Angie umbenannt in Auguste. Danach hatte das Boot dann keine gute Zeit mehr – das aber auf die Namensänderung zu schieben, wäre bestimmt übertrieben.

Ich hätte das Boot umbenennen können. Es gibt Rituale dafür – man muss den alten Namen aus dem „Ledger of the Deep“ streichen lassen, Neptun um Erlaubnis bitten, am besten bei Vollmond mit sehr teurem Champagner. Mehrfach das eigene Kielwasser kreuzen und dergleichen mehr. Manche Segler schwören, dass ein umbenanntes Boot trotzdem Pech bringt.

Ich bin ja nicht abergläubisch. Aber man weiß ja nie.

Dass wir den Namen beibehalten, hat aber natürlich einen ganz anderen Grund: Der Name passt. Er klingt wie das Boot ist – ein wenig altmodisch, aus der Zeit gefallen. Aber auch klassisch und elegant. Der Name einer ehrwürdigen Dame.

Erhaben, ehrwürdig, majestätisch: Das ist die Bedeutung des lateinischen „Augustus“. Namengebend für einen römischen Kaiser, den schönsten Monat des Jahres (abgesehen vom Mai – aber das ist eine andere Geschichte) und nun auch das schönste Boot, das ich je segeln durfte.

Und weil der Name so schön passt, müssen wir das Risiko, es uns mit Neptun zu verscherzen, auch gar nicht eingehen. Als Skipper ist man ja auf alle Eventualitäten vorbereitet und stets auf die Sicherheit bedacht!

Aber irgendetwas fehlte trotzdem noch.

Die Adelung

Auguste gefiel uns als Name eigentlich gut – und doch suchten wir eine Weile lang nach Alternativen. Namen wir ‚Nordstern‘ oder ‚Westwind‘ gingen mir durch den Kopf – aber es fehlte die emotionale Verbindung.

Bei der Recherche zu der Geschichte der Vindö (siehe Es war einmal…) bin ich dann auf viele Verbindungen zu anderen großartigen Werften wie Halberg Rassy, Najad, Malö und auch Henningsen Steckmest (Scalar, deutsche Werft in allerbester Tradition) gestoßen – und auch auf die Bezeichnung „Orust-Boote“, als Sammelbegriff für diese Boote: Handwerklich ausgesprochen solider, seetüchtiger Bootsbau mit Fokus auf Langfahrttauglichkeit. GFK Handlaminate, oft überdimensionierte Konstruktionen, gute Seeeigenschaften für die raue schwedische Westküste.

Elf Jahre lang durfte ich eine Fellowship lieben und pflegen. Ganz sicher auch kein billiger Yoghurtbecher – aber als ich mich durch die Innereien meiner Auguste gearbeitet habe, war ich dann doch einigermaßen beeindruckt von der handwerklichen Qualität des Bootes.

Meiner Frau (Die Alte) ging es ganz ähnlich. Hunderte Stunden die Hand am Holz – das sorgt für eine tiefe Beziehung zum Boot und zu Respekt vor den Menschen, die es gebaut haben. Irgendwann entstand dann aus einem Gespräch mit einem anderen Segler die Idee, den Namen zwar beizubehalten, das Boot aber mit einem Namenszusatz zu adeln: Auguste von Orust. Als Verbeugung an die Handwerker dieser Insel.

PS.:

Eine Vindö ist als schwedisches Schiff ja der nordischen Sagenwelt ohnehin näher, als der römisch/griechischen Mythologie.

Rasmus ist, anders als Neptun, eine Figur aus der skandinavischen Seemannsfolklore. „Gamle Rasmus“ oder einfach „Rasmus“ war unter dänischen, schwedischen und norwegischen Seeleuten eine volkstümliche Personifikation des Meeres. Wenn das Wetter umschlug, sagte man, Rasmus sei schlecht gelaunt. Der Name taucht in Redewendungen auf wie „Rasmus ist heute wild“ für stürmische See.

Ob auch Gamle Rasmus etwas gegen das umbenennen von Booten einzuwenden hat, dazu konnte ich nichts finden. Ist aber auch egal, weil wir die Auguste ja nur adeln wollen – und weil ich ja gar nicht abergläubisch bin…